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„Freue dich“ – das Weihnachtskonzert in der Ev. Christuskirche Herne

Im mit drei Weihnachtsbäumen festlich geschmückten Kirchenraum hatten sich wie jedes Jahr unzählige Zuhörer eingefunden, um sich durch das Weihnachtskonzert des „Jungen Chors Herne“ auf die weihnachtlichen Festtage einstimmen zu lassen

Die vier Werke, die zur Aufführung kamen, stammten aus ganz unterschiedlichen Zeiten und waren daher stilistisch sehr verschieden gestaltet. In der fünfstimmigen Motette „Übers Gebirg Maria geht“ von Johannes Eccard (1553-1611) zu Beginn waren die Stimmen unabhängig geführt, aber aus dem gleichen melodischen Material komponiert. Inhaltlich ging es in der ersten Strophe um den Besuch der schwangeren Maria bei ihrer mit Johannes dem Täufer schwangeren Base Elisabeth, was Maria zu ihrem großen Lobgesang veranlasste, als Refrain nach jeder der drei Strophen gesungen, die das Nachfolgen zum Thema hatten. Zwischen die Verse wurde zweimal ein solistisch besetztes Ave Maria eingeschoben und so die Bedeutung der Maria für die Gläubigen unterstrichen.

  Das zweiteilige Choralkonzert „Puer natus in Bethlehem“ von Michael Prätorius (1571-1621) mit gemischt lateinischem und deutschem Text war musikalisch sehr eindrucksvoll:  Dem solistischen Bericht von der Geburt Jesu schloss sich jeweils der temperamentvolle Jubelruf des Chores „Singet, jubilieret, triumphieret“ an, bevor beide Teile in den von Solisten und Chor gemeinsam gesungenen Jubel „Ein Kind geborn zu Bethlehem“, des freuet sich Jerusalem. Hallelujah“ mündeten, einem alten Kirchenlied.

In der Kantate „Vom Himmel kam der Engel Schar“ von Johann Schelle (1648-1701), einem Vorgänger von J. S. Bach als Thomaskantor in Leipzig, wurde die Weihnachtsgeschichte nach dem lutherischen Weihnachtslied EG 25, dem die Darstellung des Evangelisten Lukas zugrunde liegt, erzählt. Komponiert war das Werk sehr abwechslungsreich: Im ersten und letzten Vers lag die Melodie im 1. Sopran, die von den übrigen Chorstimmen musikalisch abgewandelt wurde. Die Verse 2 und 5 waren dem Solosopran anvertraut, dem sich jeweils eine Bestätigung durch den Chor anschloss. Die alle erfassende Fröhlichkeit des 3. Verses unterstrichen der tänzerische Dreivierteltakt und der motettische Stil, bei dem alle Stimmen den Text nacheinander vortragen, die Schelle wählte. Sehr dramatisch kam der 4. Vers daher mit dem Text „Lasst zürnen Tod und Teufel“, bei dem die Liedmelodie im Bass liegt, und die Textzeile „Dem sei Trotz, der’s nicht lassen kann“ in Vers 5 mit den Trotz-Einwürfen des Chores erinnerte an Bach.

Und ein Werk von Johann Sebastian Bach (1685-1750) bildete auch den krönenden Abschluss dieses wunderbaren Weihnachtskonzertes. Mit der Kantate BWV 30 „Freue dich, erlöste Schar“ für Solisten, Chor und einem mit Bläsern und Streichern groß besetzten Orchester wurde auf die Bedeutung von Jesu Geburt hingewiesen und Johannes der Täufer, der Vorbereiter, gepriesen. Während der mitreißende Chorsatz „Freue Dich“ zu Beginn und am Ende des Werkes, instrumentiert mit drei stahlenden Trompeten, der puren Freude Ausdruck verlieh, konnten die drei Solisten in Rezitativen und virtuosen Arien, die Gott für seine Treue loben und dem dankbaren Menschen den Himmel in Aussicht stellen, zeigen, was sie technisch vermochten.

So sang der Bariton Christian Palm sehr versiert und klanglich ausgewogen vom Kommen des lange angekündigten Johannes. Michaela Günter forderte die Gläubigen in ihrer von solistischen Oboen begleiteten Arie mit erstaunlichem Tempo zum Laufen auf, um den Heiland nicht zu versäumen. Denn, wie in der Bass-Arie zu erfahren war, erneuert Gott in Jesus seinen Bund mit den Menschen. Corinna Kuhnen schließlich sang mit glockenreinem Sopran von dem ungeduldigen Gläubigen, der endlich Gott einen Dankaltar errichten 

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